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Revolutionärer 1. Mai 2005
Kreuzberg Um 18 Uhr war der Oranienplatz mit „MyFest“-Besuchern gut gefüllt. Einigen Menschen sah man jedoch an, dass sie heute mehr vor hatten als sich schlechte Musik reinzuziehen und sich voll laufen zu lassen. Bald versammelten sich an die hundert Leute nahe der Oranienstraße. Schnell war ein Transparent entrollt auf dem zu Lesen war: „KEIN KRIEG, KEIN HARTZ, KEIN DEMOVERBOT“. Es formierte sich ein Demozug, der energisch die Oranienstraße herunterging. Es waren keine Bullen in Sicht und die Leute machten brav Platz. Die Reaktionen der Festbesucher waren äußerst verschieden: viele schlossen sich der Demo an, die bald 3000 Teilnehmer hatte; viele, besonders am Mariannenplatz klatschten oder nickten zustimmend: und ein oder zwei hatten was zu meckern. Es kam sogar zu Schlägereien im Umfeld der Demo, warum ist jedoch unklar. Selbst einige der Musiker, die sich gegen die Demo missbrauchen ließen, solidarisierten sich. Manche aber forderten uns auch auf, uns zu verpissen. Man kann also festhalten, dass vor allem die wirklichen Anwohner Kreuzbergs, die MigrantInnen und armen Leute, die Demo begrüßten, von den hippen Partypeople des Fests jedoch oft latente Ablehnung zu spüren war. Als störend erwies sich wie immer die Journaille. Die Demonstration wurde trotz Verbot durchgesetzt. Als die Demo sich nach einigen Kiezrunden auflöste, hatten einige noch nicht genug: sie liefen einfach weiter, leider geradewegs raus ausm Kiez. Ob das, wie von den Bullen behauptet wird, durch einige sich an die Spitze der Demo stellende Zivilbullen verursacht wurde, ist fragwürdig. Ich zumindest habe keine als Ziviten zu erkennende Personen an der Demospitze gesehen. Naja, am Springer-Hochhaus (Verlagsgebäude, für Hetzpresse) war dann auf jedenfall Schluss, hier hatten die Bullen schon mal was vorbereitet: einen Kessel. Und die Leute liefen zu Hunderten rein. Sie hatten gerademal Zeit um ein Auto umzuschubsen, dann traf die Verstärkung der Bullen ein und die Rennerei ging los. Viele der „Chaoten“ waren jetzt weg, also war Kreuzberg befriedet was? Die Anwohner sind doch so Bullenfreundlich, dass diese sich „das erste Mal seit Jahren, wieder unbehelmt bewegen konnten“ (Zeitungsbericht). In guter Erinnerung an die letzten Jahre, blieben viele der Bullen trotzdem mit Strumhauben vermummt. Als es dunkel wurde, zeigte sich wie sehr die Bewohner Kreuzbergs die Bullen mögen: Bis spät in die Nacht riefen ganze Straßenzüge Parolen wie HUREN-SÖHNE, BESATZER RAUS oder NAZIS RAUS. Wir tragen nur die letzten beiden Parolen mit... Es gab auch noch zwei andere Demos, und zwar die der Yorckstraße 59(vierhundert Teilnehmer) und die maoistisch-dominierte „Revolutionäre Erste Mai-Demonstration“ um 13 Uhr. Das war der erste Mai in Berlin, hoffen wir darauf das die Demo nächstes Jahr größer wird und das die Riots nächstes Mal erwähnenswert sind. //von Richard aus Treptow
Stuttgart In Stuttgart hatte sich im Vorfeld des 1.Mai auf Initiative der „revolutionären Aktion Stuttgart“ (RAS), mit Beteiligung von REVO, ein Bündnis für einen revolutionären Mai gebildet. Das Bündnis organisierte im Anschluss an die traditionelle DGB-Demo eine revolutionäre Demo, mobilisierte aber auf die DGB-Demo und lief dort in einem eigenen Block mit. Trotz Befürchtungen der RAS wurde auch dieses Jahr die revolutionäre Demo ein Erfolg. Auch die DGB-Demo war gut besucht. Die Angaben schwanke zwischen 1000 und 2000 Demonstranten. Eine große Zahl der Teilnehmer bildeten politisch organisierte Gruppen, vor allem die türkischen Stalinisten waren sehr stark vertreten. Sonst gab es noch die üblichen Verdächtigen alá DKP und SAV. Positiv war, dass auch die Studenten, die genau die Woche darauf einen Streik an der Uni organisiert haben, mit auf der Demo waren. Allerdings nahmen sie leider nicht an der revolutionären Von da ging dann ein kleiner Zug von Revolutionären in Richtung Marktplatz, wo die revolutionäre Demo startete. Nach einiger Zeit startete dort dann die Auftaktkundgebung mit einer Rede von einem Arbeitermacht-Genossen zum Thema Gewerkschaften. Danach kam noch eine Rede der „Kommunistischen Arbeiterzeitung“. Die Rednerin bezeichnete die DDR als Vaterland der Arbeiterklasse und erlaubte sich auch weitere derartige Scherze. Nach einer weiteren kleinen Ansprache auf Türkisch ging es dann los. Auf der Kundgebung waren alle schon relativ müde von der Sonne, aber als dann die Demo, begleitet von mehreren Polizeiautos und etlichen Reitern, los ging, wurde die Stimmung deutlich besser. Die revolutionäre 1. Mai Demo im Anschluß an die DGB-Demo war mit 100-200 Leuten gut besucht und kann insgesamt als Erfolg gewertet werden. Nach drei „Zwischenstopps“ mit Redebeitragen kamen wir am Schlusspunkt der Demo an, wo ein REVO-Mitglied dann noch das Abschlusswort zum Thema Jugendarbeitslosigikeit erhielt. Ansonsten gab es eine Redebeitrag zu ImmigrantInnen, einen zu Gesundheitspolitik und eine zum 8.Mai (von „Trotz alledem“, Stalinisten). Die türkischen Stalinisten nahmen zum ersten Mal an der revolutionären Demo teil. Einige Jugendliche von der DKP waren auch dabei, versicherten aber dass sie nur alleine da sind (und nicht mit der Partei). REVO konnte auf der Demo viele Zeitungen verkaufen. //von Jim aus Stuttgart
Oldenburg Das Oldenburger-Bündnis „Streichen bei den Reichen“ organisierte auch dieses Jahr wieder ihre traditionelle revolutionäre 1. Mai Demonstration. Mit ca. 400 Leuten war die Demo relativ gut besucht und bei strahlendem Wetter zog man vom Hauptbahnhof zum Allhambra, einem stadtbekannten linken Treff, wo es ein Straßenfest gab. Auffallend war, dass es überwiegend jugendliches Publikum gab. Von PDS bis DKP waren wiederum alle Phrasendrescher dabei. Die RSB (Revolutionärer Sozialistischer Bund) hielt eine eher mittelmäßige Rede. Mitglieder von REVO verteilten Flugblätter und verkauften Zeitungen. Alles in allem, ein gelungener Tag. //von Okko aus Osnabrück
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